Ruppiner Straße in Berlin – ein tiefer Riss für Jahrzehnte
Eigentlich müsste man von einer Hürde sprechen. Aber die Mauer in Berlin war mehr als eine Hürde. Ihre Wirkung war unterirdisch, war elektrisierend. Und durch die Ruppiner Straße ging Jahrzehnte lang ein tiefer Riss. Die Stiftung Berliner Mauer bietet Bildmaterial, Erläuterungen und pädagogische Tipps.
An der Bernauer Straße sind in Höhe der Gedenkstätte Berliner Mauer noch alte Mauerzüge erhalten geblieben. Doch dort, wo sich die heute vielbefahrene Straße – Tram inclusive – mit der Ruppiner Straße kreuzt, ist nichts mehr von dem tiefen Riss zu erkennen. Die Mauer teilte die Ruppiner Straße ungefähr in der Mitte. Dass die beiden Seiten heute zu verschiedenen Verwaltungseinheiten Berlins gehören, ist gegenüber der Teilung schon fast banal.

In der Gedenkstätte selbst finden neben den Ereignissen am 17. Juni 1953 und am 13. August 1961 die Fotos von der Sprengung der Versöhnungskirche im Jahr 1985 besondere Aufmerksamkeit. Sie lag sozusagen auf dem Grenzstreifen, aber nicht etwa im Niemandsland. Das gab es nicht zwischen den Sektoren. Die Regierung der DDR war zuständig, also die Führung der SED. Die Unterschift leistete Staatsekretär Klaus Gysi.
Die Entwicklung in Berlin war wechselhaft seit dem Mauerbau. Bei zunehmenden Spannungen zwischen der sogenannten BRD und der DDR oder zwischen den Supermächten USA und UdSSR rückte auch der Mauerstreifen in den Fokus. Der ganze, die Grenze entlang. Sonderfall Westberlin: drum herum überall Osten.
Die Stiftung Berliner Mauer stellt im Internet Bildmaterial zur Verfügung, um die Erinnerung wachzuhalten und jüngeren Generationen Zugang zu diesem komplexen Teil der deutschen Geschichte nach 1945 im internationalen Kontext zu bieten. Der Herbst 1989 ist ein weiterer Schwerpunkt. Pädagogisch tätige Menschen finden Hinweise und Materialien, die insbesondere Schülern und Schülerinnen Zugang bieten.

Beim Besuch der Gedenkstätte hört man die unterschiedlichsten Fremdsprachen. Menschen aus aller Welt interessieren sich. Das akustische Infomaterial wird anscheinend gut angenommen. Die Terminologie ist eindeutig in der Gedenkstätte. Von Erich Honecker liest man, er habe (gemeinsam mit Gleichgesinnten wie Walter Ulbricht) eine “kommunistische Diktatur” errichten wollen. Die Diskussion kann beginnen, auch über die Gründe für die deutsche Teilung und den Mauerbau. Die Ruppiner Straße war nun geteilt in Ost und West. Und was geschah mit der Post? Aus beiden Teilen gab und gibt es sicherlich ganz unterschiedliche Geschichten – auch zum Thema Republikflucht. Ruppiner Straße, das war für Jahrzehnte eine besondere Adresse.