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Schöne Aussicht bei der Beschäftigung mit literarischen Winterstimmen. I Foto: vhs

Literarische Winterlandschaft – lyrische Stimmen aus der Region

16.01.2026 | Volkmar Heuer-Strathmann

“Heraus, ihr Kindlein, nah und fern”, lässt Luise Hensel eine Stimme rufen. Es ist Schnee gefallen. “Aber nicht in die Schule – oder?”, könnten in diesen Tagen Kinder fragen. Winterliche Kälte und weite Schneeflächen haben das Leben verändert. Mit dem Winter haben sich literarische Stimmen aus der Region schon früher gerne befasst.

“Schneelust” hat Luise Hensel ihren Jubel genannt. “Wie flimmert alles rings und rund so silbern und so weiß”, schwärmt die kindliche Stimme. Bei Theodor Fontane kommt der Apotheker durch, wenn er fleht: “Kühle, Schnee, mit deinen Flocken mir die fieberheiße Stirn.” Was würde er bloß im Sommer machen, wenn die Ausgangstemperatur für “In Leidenschaft” deutlich höher wäre? Schon zur kalten Jahreszeit geht alles schief in den Flammen der Verliebtheit: “Der Schnee erquickt mich nicht.”
“Vom grimmen Januar”, dichtet Eva Strittmatter. Der Wald ist “frosterstarrt”. Dem Wild ist anscheinend nicht zu helfen. Den Mäusen schon gar nicht. Ihre Spur verliert sich, sie waren auf Käsesuche. Der Vers “Ich mach ein Lied aus Stille” zeigt, was diese Lyrikern kann. Das Herz erwärmen. Dabei heißt das Gedicht “Von einem Winter”. An anderer Stelle sehen wir sie “wie eine Bärin stampfen” durch den Neuschnee. Eben ein “Schneemorgen” – so der Titel. Auf Schulzenhof wird sie im Laufe der Jahrzehnte alle Wetter kennen gelernt haben, nicht nur Liebeshagel oder Eheabkühlung.

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Brandenburger Schülerzeitung “Kreissende Sonnen”, darin Texte von Heym. I Foto: Abfotografiert aus dem Jahrbuch OPR, 2025

“Durchs Dickicht des verschneiten Walds”, geht’s bei Georg Heym. In seinem Werk “Winterwaldnacht” bricht die expressionistische Kraft sich noch nicht Bahn. “Einsam wandle ich unter dem Fittich der Nacht”, lesen wir. Er ist noch in Berlin auf dem Gymnasium. Die “Verbannung” nach Neuruppin folgt bald. “Leise Flocken taumeln sacht”, das klingt fast wie bei Luise Hensel. Aber Heym kann auch anders: “Der Sturm heult immer laut in den Kaminen und jede Nacht ist blutig-rot und dunkel”, beginnt “Der Winter”. Die Menschen sind in ihre Wohnungen zurückgeworfen. Was bleibt, ist der Blick nach draußen, das Starren auf “leere Höfe”.

Erich Arendt hat sich im Laufe seines Dichterlebens immer mehr den wärmeren Regionen zugewandt – auch literarisch, also lyrisch. Aber einmal geht es noch durch den “Winter des Apennin”. In den Blick geraten verkrüppelt wirkende Hütten. Diese “Düsternis” des ärmlichen Alltags hoch in den Bergen kann nur der fallende “einsame Schnee besänftigen”. Die Lesenden, die Hörenden werden hineingezogen in den “menschenleeren Tag aus Wind und Felsen”.

“Pupp’ und Strickzeug lass zu Haus”, ermutigt die Kinderstimme bei Luise Hensel ihre jüngere Schwester. Man möchte dem Kind nicht widersprechen. Hinaus in den Schnee! Aber aufs Eis? Georg Heym hätte man im Winter 1912 gewünscht, nicht mit einem Feund zum Schlittschuhlaufen gegangen zu sein. Beide kamen im eiskalten Wasser der Havel ums Leben.