Prinz Heinrich von Preußen – auch im Museum Neuruppin ein großes Thema
“In Rheinsberg gibt es in diesem Jahr ein großes Feuerwerk”, ist Maja Peers überzeugt. Die Leiterin des Museums Neuruppin konnte sich gemeinsam mit Frank Jüttner vom Förderverein des Museums darüber freuen, dass sich Günter Rieger bereit erklärt hatte, den Neujahrsempfang des Vereins mit einem Vortrag über den Prinzen zu bereichern, der vor 300 Jahren das Licht der Welt erblickte. Der Saal war voll.
“h300” – dahinter steckt kein Helikopter und keine Abkürzung aus dem Drogenlexikon. Aber ein bisschen high sollen die vielen Gäste durchaus gewesen sein, die am 18. Januar 2026 im Schlosstheater zu Rheinsberg zusammenkamen, um diese Geburt gebührend zu feiern. Andernorts würde man es mit einem solchen Festakt womöglich schon gut sein lassen. Aber nicht in Rheinsberg, nicht in der Kronprinzenstadt, nicht am Musenhof.
Günter Rieger, von Frank Jüttner als “Kulturbotschafter des Ruppiner Landes” vorgestellt, begrüßte die Entscheidung der Verantwortlichen, in den kommenden Monaten ganz unterschiedliche Veranstaltungen anzubieten und damit auch verschiedene Sichtweisen wirksam werden zu lassen. Seine eigene lebt von Prägnanz und Humor. Und er vergisst nicht, wie viel Engagement, wie viel Arbeit ab 1990 nötig war, um Schloss und Park zum Festspielort werden zu lassen. Einen besonders kläglichen Eindruck soll der Obelisk auf der anderen Seite des Sees gemacht haben.

Heinrich hatte zahlreiche Geschwister. Man kann seinen Lebensweg, so Rieger, aus dem Spannungsverhältnis zu Friedrich, dem Thronfolger, entwickeln. Für Rheinsberg war’s letztlich von Vorteil, dass Heinrich trotz militärischer Erfolge, Gründe geliefert wurden, sich ins Schloss zurückzuziehen. Der Musenhof konnte Gestalt annehmen. Die Lust auf Stunden, Tage oder Wochen mit Gattin Wilhelmine war wohl auch nicht gerade groß. Kinder hatten sie nicht. 1766 trennte man sich, ohne den Bund der Ehe aufzulösen. Ob so neue Nachfrage nach Herrlichkeit Seit’ an Seit’ verhindert werden sollte? Rieger tat nicht so, als gäbe es da Gewissheit. Es reicht die Wahrscheinlichkeit.
Mit Gemälden und Fotografien wurde die Etappen und Stationen dieses Lebens veranschaulicht. Andere Verwandte kamen ins Spiel – und immer wieder auch Friedrich der Große. Natürlich auch unter dem Stichwort Tempelgarten. Heinrich überlebte Friedrich um 16 Jahre. Und überholte ihn auf dem Felde der Kunst. Oder? Ehren mochte der Jüngere den Alten nicht. Nicht im Schloss in der Galerie der Feldherren, nicht auf dem Obelisk.
Günter Rieger geht nicht mit einem Schema an solche Personen der Geschichte – nicht mit Marx und Engels, nicht mit Sigmund Freud oder Max Weber. Er zeigt eine Empathie, die mit dem Bemühen verbunden ist, sich die Lebenssituation des Menschen vorzustellen, den Rahmen, die Herausforderungen, die Dilemmata, die Verquickungen, die Zufälle und die inneren Impulse. Offene Fragen muss es geben, gerade in einem modernen Museum. Für die Darbietung gab es reichlich Applaus. Das Interesse an der Frage, wie mutig, wie kreativ, wie fundiert, wie furios, wie vielschichtig und wie vielgesichtig man in Rheinsberg durch’s Jubeljahr geht, dürfte noch gewachsen sein. Den Gästen aus Rheinsberg müsste es auch gefallen haben, Verköstigung inbegriffen.