“Romanzen in Brandenburg”: Bekannte und weniger bekannte Gesichter…
“Zwischenmenschliche Beziehungen sind immer ein Teil der Geschichte”, schreiben Leon Ebert und Marcel Piethe im Editorial zur Zeitschrift DIE MARK BRANDENBURG, Titel “Romanzen in Brandenburg”. In einem ziemlich großen Supermarkt am Rande von Neuruppin war die Ausgabe nach wenigen Tagen vergriffen. Ob das nur am Titelbild liegt?
Der Besuch bei den Strittmatters führt bis zu den Gräbern, also bis nach Schulzenhof. Aber dank Erwin Berner, leiblicher Sohn des legendären Literatenpaares, erfährt man auch etwas über die erste Nacht und die ersten Briefe aus dem Jahre 1952. Ein Foto von der Grabstätte wird auch im Falle der Fontanes präsentiert. Ganz anders als bei den Strittmatters ist alles sehr symmetrisch. So viel Ebenbürtigkeit war erst im Tode möglich, das weiß Klaus-Peter Möller überaus humorvoll deutlich zu machen. Die Verliebten lernt man recht offenherzig und wortgewandt kennen. Bei Heinrich von Kleist und Henriette Vogel dient ein großes Bild vom Grabstein sogar als Aufmacher. Das hat Gründe. Die Umstände des gemeinsamen Gangs aus dem Leben werden so solide wie möglich dargelegt von Paula Kleuters. Auch sie geht von Einvernehmlichkeit aus. Als Fernbeziehung lernt man Bettina und Achim von Arnim kennen. Nicht nur hier ist das Bildmaterial, auf das Jana Franke zurückgreifen konnte, außergewöhnlich.
Höfisches Leben im Brandenburg des 18. Jahrhunderts steht am Anfang der Beiträge. Anmerkungen zum DEFA-Film “Verbotene Liebe” bilden den Ausklang. Ums Mittelalter wird kein Bogen gemacht. Ein Titel wie “Badestuben und Bordelle” überrascht sicher. Man traut sich nah an Helene Weigel und Bertolt Brecht heran.

Zur Klarstellung heißt es vorab: “Keine Romanze”. Sonst kommen die Erben und klagen Scheitern ein. In die jüngere Vergangenheit geht es mit Jörg und Regine Hildebrandt, also bis ins geteilte und schwer zu vereinende Deutschland. Eine Romanze, bilanziert Danuta Schmidt. Ihre Definition des Zauberworts wirkt belastbar.
Besondere Aufmerksamkeit erfährt Johanna Elberskirchen. Nie gehört? Das hat Gründe, Stichwort gleichgeschlechtliche Liebe. Im Jahr 1903 veröffentlichte Elberskirchen einen Essay über die “Sexualempfindung bei Mann und Frau”. Mutig muss sie gewesen sein. Leon Ebert ist ihren Spuren nachgegangen.
Man begegne vielfältigen Lebensentwürfen, schreiben Piethe und Ebert vorab. “Romanzen in Brandenburg” ist eher als Arbeitstitel zu verstehen, nicht als Versprechen, nicht als Blendwerk. Sensationsgier oder Enthüllungslust hat die Art, wie in den Beiträgen die Feder geführt wird, nicht bestimmt. Dass Neuruppin gleich doppelt vertreten ist in der MARK, könnte auch das Interesse vergrößern. Aber kurz nach der Jahreswende wirkte der kleine Stapel in einem Zeitungsladen unweit der Paulinengleise noch ziemlich unberührt. Dabei schauen Erwin und Eva Strittmatter, mit denen der Verfasser dieser Zeilen sich beschäftigen durfte, doch voll sympathisch. Und glücklich. Oder? Mehr dazu im Heft, tiefe Enttäuschungen und Hassgesänge inbegriffen.