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IN ORGELharfe 1
“Ave Maria” – eine unsterbliche Komposition aus dem 16. Jahrhundert

Wenn zwei Königinnen der Kirchenmusik aufeinander treffen…

30.08.2025 | Volkmar Heuer-Strathmann

Die Menschen pilgern auch in diesem Jahr wieder nach Salzburg zu den Festspielen. Die Oper ”Maria Stuarda” lockt. Ein Zwist zweier Königinnen. Und in Neuruppin? Ob es da auch zu Zwietracht und Schlagabtausch zwischen den “Königinnen der Instrumente” kommen würde – zwischen Harfe und Orgel? Auch hier machten sich viele Menschen auf den Weg zur Klosterkirche, um Jessyca Flemming und Stefan Kießling beim Konzert “Legenden und Poesien” zu erleben. Der Applaus zeigte, wie sehr das Duo überzeugte.

Die Harfe “wispert”, so hieß es lautmalerisch zur Einstimmung, die Orgel “braust”. Das Instrument der Engel und das Organ der Amtskirche, wie soll das zu Wohlklang führen? Zu Himmelsgesang, nicht bloß zu machtvollem Pfeifenklang? Jessyca Flemming und Stefan Kießling wissen es. Und können es. Sie haben es sich seit 2012 zur Aufgabe gemacht, die “Königinnen” im Gotteshaus in Harmonie zusammenzuführen. Wie, zeigten sie schon mit der Eröffnung. “Spagneoletta” von Michael Praetorius wurde gegeben, es durfte sogar geträumt werden, so sehr nahm der Organist sich zurück.

IN orgel HARFE 2
Morgenstimmung” am Abend – Jessyca Flemming in ihrem Element.

Harfenmusik bietet per se die Möglichkeit, einfach den Lauten zu folgen, den Griffen, dem Spiel mit den Saiten. Ganz besinnlich, nie hektisch, immer persönlich und herrlich melodisch. Sympathisch, wie Jessyca Flemming sich einlässt auf die sensible Hoheit. Ein Solo wie “Morgenstimmung” von Edvard Grieg zeigte, dass sie der Orgel nicht bedarf, um die Seele der Menschen zu erreichen. Das mag Ansporn sein für einen Organisten, dahinter nicht zurückzustehen. Die Sonate Nr. 7 des Schweden Henning Mankell bot Stefan Kießling die Gelegenheit, alle Register zu ziehen. Also nun doch Profilierung? Das alte Lied? Stefan Kießlings Solo war furios. Urgewalt, Naturgewalt bekommt musikalische Gestalt, doch es geht eben auch anders, es gibt auch in seinem Repertoire den Sommerwind, das Sanfte, es gibt auch die leiseren Töne in seinem Spiel.
Ein herrlicher Stoff für eine Musikkomödie, der mögliche Zwist, doch zum Debakel war nicht eingeladen worden. Neuruppins Arrangement der Doppelorgel macht’s möglich, auf Augenhöhe zu spielen. Ob “Ave Maria” von Jacob Arcadelt oder “Communion” von Edouard Batiste, es herrscht Harmonie. Endlich überwunden, die Hierarchie. Jedes Saitenspiel, jeder Pfeifenton – alles führt durch das Arrangement zu fein austarierten Verbindungen, nichts geht ohne Anverwandlungen. Drei Sätze aus John Rutters “Suite Lyrique” bieten dem Organisten sogar Gelegenheit, ein ganzes Orchester zu ersetzen. Die Harfinistin indessen sorgt dafür, dass ihr Lied, ihr Thema dominiert als “Aria”.

IN orgel HARFE 3
Sonderapplaus für den Organisten Stefan Kießling nach seinem Solo.

Nebenbei erwähnt Kießling, dass er auch ausbildet als erfahrener Organist. In Jessyca Flemming hat er eine Meisterin ihres Fachs an der Seite, der es auch an Humor nicht mangelt beim Werbeblock. Sie überlegt: Dieser weltberühmte deutsche Kirchenmusikkomponist, wie heißt der noch? – Ach, vergessen? – “Richtig: Bach! Auch zu hören auf der CD!”
So viel und so herzlicher Beifall für zwei so moderne und doch traditionsbewusste Musizierende, das wird die Veranstalter ermutigen zu weiteren anspruchsvollen Musikexperimenten. Und etwas billiger als in Salzburg ist es ja vermutlich auch, da die vielen Gäste am Ende selbst darüber entscheiden, mit welcher Summe sie Dank sagen, Anerkennung zollen und zugleich dafür sorgen, dass es auch 2026 weitergeht mit den Sommerkonzerten in der Klosterkirche. Man setzt Maßstäbe…

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Fotos: vhs