
MSV-Präsident Huch: „Die EM war ein Sommermärchen für Neuruppin“
Als Gastgeber der kroatischen Nationalelf bei der EM 2024 hat Neuruppin überzeugt. Nun richtet sich der Blick auf die Frauen-EM 2029. MSV-Präsident Thomas Huch spricht über die Chancen, künftig auch weitere Top-Teams für die Fontanestadt zu gewinnen.
Am 9. Juni 2024 lacht die Sonne über Neuruppin. Das Kaiserwetter passt zur Kulisse, die sich in der historischen Altstadt bietet: Etwa 4000 fußballverrückte Menschen, darunter viele junge Familien, haben sich auf dem Schulplatz versammelt und bereiten der kroatischen Nationalmannschaft einen begeisterten Empfang. Knapp drei Wochen lang wird das Team um Superstar Luka Modric in der Fontanestadt Station machen, die strategisch günstig zwischen Berlin und Hamburg liegt, den beiden Spielorten der Kroaten.
Obwohl die EM in Deutschland sportlich enttäuschend für das Team vom Balkan verläuft, werden die Nationalspieler zumindest Neuruppin in positiver Erinnerung behalten: als einen Ort, an dem sie nicht nur freundlichst empfangen wurden, sondern auch professionelle Trainingsbedingungen vorfanden und sich rundum wohlfühlen konnten.
„Ich habe die Zeit damals in jeder Hinsicht als überragend im Gedächtnis“, sagt auch Thomas Huch und ergänzt: „Wenn die WM 2006 das Sommermärchen in Deutschland war, dann war die EM 2024 das Sommermärchen für Neuruppin.“ Der Präsident des MSV Neuruppin klingt noch heute stolz, wenn er sich an den zurückliegenden Sommer erinnert.
Wie sich die EM 2024 nachhaltig auszahlen soll
Das positive Feedback der Beteiligten und die Begeisterung der Fans, die auch für öffentliche Trainingseinheiten zu tausenden ins Volksparkstadion strömten, wertet Huch als Beleg dafür, dass sich die Stadt Neuruppin einen Namen als attraktiver Standort für sportliche Großereignisse gemacht hat. „Wir haben immer gesagt, dass sich der Aufenthalt der kroatischen Mannschaft auch langfristig auszahlen wird“, betont Huch.
Falls es dafür tatsächlich noch eines Beweises bedurfte, so hat ihn der MSV Neuruppin Anfang Januar in Form eines Schreibens vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) erhalten. Demnach setzt der mitgliederstärkste Sportverband der Welt auch bei seiner Bewerbung um die Ausrichtung der Frauen-Europameisterschaft 2029 auf den MSV und das Resort Mark Brandenburg, in dem bekanntlich schon das kroatische Team gewohnt hat. Die Euro 2024 habe das Fußballfieber in Deutschland neu entfacht, dazu habe auch der MSV mit der Bereitstellung des Trainingsplatzes im Zusammenspiel des Hotels maßgeblich beigetragen.
Weiter heißt es: „Wir würden uns sehr freuen, erneut auf das Trainingsgelände und die Infrastruktur zurückgreifen zu können, um den Teams einen professionellen und attraktiven Rahmen bei einem Turnier im eigenen Land zu bieten.“ Daraufhin entschlossen sich der MSV und das Resort Mark Brandenburg, der Empfehlung zu folgen und sich wieder als Standort für ein Basecamp zu bewerben.
„Wollen zeigen, dass sich die Investitionen ins Stadion gelohnt haben“
Thomas Huch machte diese Nachricht auf dem Neujahrsempfang der Stadt Neuruppin öffentlich und erntete ausschließlich positives Feedback. „Viele Leute haben mir auf die Schulter geklopft und gesagt: Klasse, dass wir auch in Zukunft regelmäßig hochklassigen Sport in Neuruppin zu Gast haben“, berichtete Huch. Genau darum gehe es dem MSV – und genau deshalb wurde die frohe Kunde auch ganz bewusst beim Neujahrsempfang öffentlich gemacht. „Wir wollen zeigen, dass wir weitermachen und dass sich die Investition der Stadt in das Volksparkstadion gelohnt hat, in dem wir als Verein ja nur Pächter sind“, so der MSV-Präsident.
Im Sommer 2024 hatte des MSV Teile des Stadions und das dazugehörige Gelände bekanntlich binnen weniger Wochen saniert und umgebaut: es entstand unter anderem eine neue Geschäftsstelle, die Umkleiden wurden renoviert, die sanitären Anlagen neu bestückt und Möglichkeiten für ein Pressezentrum geschaffen, sodass auch kroatische Journalisten und andere Beobachter des Turniers gute Arbeitsbedingungen vorfanden.
„Ich bin stolz, dass wir das als vergleichsweise kleiner Verein so gestemmt haben“
„Bei uns im Verein und in der ganzen Stadt hat das zu einer unheimlichen Euphorie geführt, die uns über die gesamte EM getragen hat“, sagt Huch. „Deshalb bin ich extrem stolz, dass wir das als vergleichsweise kleiner Verein so gestemmt haben.“
Durch besagte Modernisierung erhofft sich der MSV auch perspektivische Effekte. So will der Verein das Stadion auch für andere Veranstaltung in Stellung bringen. Präsident Huch nennt beispielsweise das Weihnachtssingen, das 2024 zum dritten Mal stattfand und 750 Besucher anlockte. Zudem soll es wieder ein großes Sommerfest geben und diverse Nachwuchsturniere, etwa den sogenannten Malle-Cup, also ein Kleinfeldturnier, an dem über 100 Nachwuchsmannschaften teilnehmen werden.
Große Pläne für das Kalenderjahr 2025
In Kürze plant der Verein auch die Veröffentlichung einer Broschüre, in der acht bis zehn Großveranstaltungen für das Kalenderjahr 2025 beworben werden sollen. Womöglich könnte eines gar nicht so fernen Tages auch das Endspiel um den Brandenburger Fußball-Landespokal in Neuruppin stattfinden, der MSV spielt jedenfalls mit dem Gedanken einer Bewerbung.
„Es hat sich herumgesprochen, dass wir hier bei uns sehr gute Bedingungen haben“, fasst Thomas Huch zusammen. Vor den Kroaten waren über die Jahre bekanntlich schon diverse hochklassige Klubs für Trainingslager in Neuruppin zu Gast – angefangen beim spanischen Erstligisten Sevilla über Werder Bremen, RB Leipzig und Union Berlin bis hin zu Hertha BSC, um nur einige zu nennen. „Mit der EM haben wir Neuruppin nun endgültig auf die Fußball-Landkarte gebracht“, sagt Huch, „deshalb bewerben wir uns jetzt um das nächste Highlight.“
Die Entscheidung zur Vergabe des Turniers fällt allerdings erst im Dezember. Unabhängig davon kann man aber jetzt schon sagen: Die Stadt Neuruppin, der MSV und das Resort Mark Brandenburg haben sich rechtzeitig in Position gebracht – sie warten, um im Sportlersprech zu bleiben, im Grunde nur noch auf den Anpfiff.