
Bio-Siegel im Check: Wo sind die Unterschiede zwischen Bioland, Demeter & Co.
Ein Gespräch mit Holger Hannemann von Grünkern Neuruppin über Bio-Standards, Unterschiede der Siegel und worauf Verbraucher achten sollten.
Bio ist nicht gleich Bio – wer nachhaltige Produkte kaufen möchte, steht oft vor einer Vielzahl an Siegeln mit unterschiedlichen Anforderungen. Während das EU-Bio-Siegel Mindeststandards garantiert, setzen Verbände wie Demeter, Bioland oder Naturland strengere Maßstäbe. Doch worin unterscheiden sie sich genau? Und wie finden Verbraucher das Siegel, das am besten zu ihren Werten passt? Herr Hannemann, Inhaber des Grünkern Neuruppin gibt Einblicke in die Welt der Bio-Zertifizierungen und praktische Tipps für den bewussten Einkauf.
Herr Hannemann, Bio-Siegel sind auf vielen Produkten zu finden, doch die Vielfalt kann verwirrend sein. Können Sie uns einen Überblick geben?
Natürlich. Das bekannteste Siegel ist das EU-Bio-Siegel, das auf den meisten Bio-Produkten zu finden ist. Es garantiert grundlegende Standards wie den Verzicht auf synthetische Pestizide, Gentechnik und chemisch-synthetische Düngemittel. Auch Regeln für Tierhaltung und Umweltschutz gehören dazu. Für viele Verbraucher ist es ein guter Einstieg in die Welt der Bio-Produkte, da es einen verlässlichen Mindeststandard bietet.

Es gibt aber auch andere Siegel wie Demeter oder Bioland. Worin liegen die Unterschiede?
Diese Siegel gehen über die EU-Standards hinaus und sind häufig zu finden:
Demeter steht für biodynamische Landwirtschaft, die auf geschlossene Kreisläufe und besonders nachhaltige Bodenbewirtschaftung setzt. Das bedeutet, dass landwirtschaftliche Betriebe möglichst autark wirtschaften und natürliche Prozesse fördern, etwa durch den Einsatz von Kompost und biologischen Präparaten.
Bioland steht für ökologische Landwirtschaft, die den Erhalt von Boden, Wasser und Artenvielfalt in den Mittelpunkt stellt. Das bedeutet, dass landwirtschaftliche Betriebe auf synthetische Düngemittel und Pestizide verzichten und stattdessen vielfältige Fruchtfolgen sowie natürliche Anbaumethoden einsetzen, um die Umwelt nachhaltig zu schützen.
Naturland steht für eine ganzheitliche Landwirtschaft, die ökologische Prinzipien mit sozialen und fairen Produktionsbedingungen vereint. Das bedeutet, dass landwirtschaftliche Betriebe neben umweltfreundlichen Anbaumethoden auch auf gerechte Arbeitsbedingungen und internationale Partnerschaften setzen, um umfassende Nachhaltigkeit zu gewährleisten.
Worauf sollten Verbraucher achten, wenn sie Bio-Produkte kaufen?
Es hilft, die eigenen Prioritäten zu kennen. Wem Tierwohl besonders wichtig ist, der könnte auf Siegel wie Demeter oder Bioland achten. Wer zusätzlich soziale Kriterien berücksichtigt, findet bei Naturland passende Produkte. Das EU-Bio-Siegel bietet solide Mindeststandards, ist aber nicht so streng wie die Verbände. Am Ende entscheiden die individuellen Werte, welches Siegel am besten passt.
Haben Sie noch einen Tipp für Verbraucher, die unsicher sind, worauf sie achten sollten?
Einfach fragen! Egal ob im Supermarkt oder Fachhandel: Wer Fragen zu Bio-Siegeln oder zur Herkunft eines Produkts hat, sollte keine Scheu haben, sich direkt an die Mitarbeiter zu wenden. Besonders im Fachhandel kennen wir unsere Produkte oft sehr genau und können individuell auf Fragen eingehen. Sich gut informiert zu fühlen, macht den Einkauf bewusster und einfacher.
Vielen Dank für die Aufklärung, Herr Hannemann.