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IN EDEKA 1
Ein Roboter bei EDEKA in Neuruppin – eine echte Überraschung. I Foto: vhs

“Das ist schon eine Bereicherung für’s Unternehmen!”

22.08.2025 | Volkmar Heuer-Strathmann

Wie er heißt, weiß ich nicht. Er hat noch zwei Kollegen mitgebracht nach Neuruppin zum EDEKA-Markt am Babimost-Ring. Natürlich finden sie Beachtung. Aber die Aufträge halten sich in Grenzen. Für alle Fälle führen sie Prospekte mit sich. Mal testen? Kann doch kaum schiefgehen. Man wird sehen.

In der ARD-Mediathek darf man einem Roboter namens “Kai-Uwe” durch einen EDEKA-Markt in Baden-Württemberg folgen und staunen. Zwei Kinder probieren aus, was der Geselle kann. Papa ist auch mit dabei. Die Produktpalette wird allerdings noch lange nicht erfasst. Ein Mitarbeiter, also ein Mensch, erklärt gerne, was “Chantal” schafft. Sie ist ein Reinigungsroboter. Wer über die Namen entschieden hat, wird nicht gesagt. “Kai-Uwe” führt zu bestimmten Produkten. “Folgen Sie mir bitte!”, sagt er freundlich. Man spricht Hochdeutsch. Das war 2024. Was inzwischen möglich ist mit den neuen “Mitarbeitenden”, lässt sich bei einem kleinen Einkauf natürlich nicht testen.
“Sie haben letzte Woche ‘raues Wasser’ gekauft”, sagt er nicht zu mir. Stimmt aber. “Reicht der Vorrat noch?”, fragt er auch nicht. Trotz der Hitze. Okay – er lebt in der Welt der Klimaanlagen. Und die Amazongepflogenheiten hat man noch nicht verinnerlicht. Kein: “Vielleicht interessiert sie auch…”?

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Zwei freundliche Kollegen im Einsatz, auf Abstand bedacht. I Foto: vhs

Dass EDEKA so hochmodern mit KI daherkommt, verwundert nicht, wenn man als Kind bei einem EDEKA-Laden in den 60ern erleben durfte, wie Beschleunigung geht. Aber auch etwas mehr Anonymität. Kassierinnen an Kassen statt Verkäuferinnen hinter dem Tresen – das war der Weg! Rechenmaschine statt Kopfrechnen oder schriftliche Addition! Auch der Einkorfskorb war etwas Neues. Der Rechnungsblock mit Kohlepapier war plötzlich Vergangenheit. Ob sich das rechnete? Gewiss! Dann Supermärkte – einfach super! Und nicht nur bei diesem Konzern in der Tradition der deutschen “Kolonialwarenhändler”.

Nun also Roboter am Babimost-Ring. Der Geselle geleitet mich sicher Richtung Kasse. Ehe es peinlich wird, trennen wir uns. “Stop!” Ob die Neuen langfristig Arbeitskräfte überflüssig machen? Die Dame an der Kasse bei EDEKA in Neurupin hat Humor. Sie lächelt, geschworen: “Ich bin doch wohl unersetzbar!” Stimmt, schon wegen des Lächelns. Doch wenige Meter weiter geht’s schon ohne Kassiererin. Von Ausnahmen abgesehen. Eine ältere Dame sagt im Film über das Sonderangebot mit Robotern: “Das ist schon eine Bereicherung für’s Unternehmen!” Im Sinne von Marx? Im Sinne der Kundschaft?

Schon wenige Tage später die Entäuschung! Die Roboter sind weg! War nur ein Gastspiel mit ihren Sensoren, ihren Lämpchen und ihrem Gutelauneprogramm. “Könnten Sie bitte Platz machen?” Wahnsinn! Bahnbrechend – so viel Freundlichkeit. Von Maschinen lernen, was menschlich ist? Und Konjunktiv zwei! Wenn das Schule machte …