
„Die Lange Nacht der Wirtschaft gibt der Region Rückenwind“
Die Kleeblattregion lädt am 12. Juli 2025 erneut zur Langen Nacht der Wirtschaft – ein Format, das weit mehr als ein Schaufenster der regionalen Wirtschaft ist. Bürgermeisterin Nora Görke und Wirtschaftsförderer Kai Maslowski der Stadt Kyritz sprechen über Sichtbarkeit, aber auch Zusammenhalt in der Kleeblattregion und den Wert von engem Austausch mit der Politik.

Die Lange Nacht der Wirtschaft ist ein Veranstaltungsformat, das Menschen jeden Alters anspricht – von Schülerinnen und Schülern über Berufseinsteiger bis hin zu Rückkehrwilligen und Interessierten aus der Region. Für einen Tag öffnen Unternehmen aus Industrie, Handwerk und Dienstleistung ihre Tore und ermöglichen Einblicke in Produkte, Abläufe und Berufsfelder – direkt vor Ort und aus erster Hand.
Frau Görke, die Lange Nacht der Wirtschaft findet seit 2015 im zweijährigen Rhythmus in der Kleeblattregion statt. Worin liegt für die Unternehmen der Wert der Veranstaltung?
Nora Görke: Es sind ganz praktische Dinge bis übergeordnete. Zum einen ist uns von Anfang an wichtig gewesen, dass die Unternehmen sich bekannt machen können. Und ich glaube, das wird in den Zeiten, wo wir zum Beispiel von Fachkräftemangel und weniger Nachfrage nach Ausbildungsplätzen sprechen, auch immer bedeutsamer. Zum anderen zeigt die Veranstaltung, wie gut die Akteure in der Region vernetzt sind – das ist ein wichtiger Faktor für unsere gemeinsame Stärke.
Welche Wirkung hat das Event für die Menschen in der Region?
Nora Görke: Die Menschen vor Ort können sich über die Firmen informieren, die es hier gibt und was diese tun. Und sie stellen erstaunt fest, welche Internationalität teilweise dahinter steckt. Emsland-Stärke zum Beispiel, mit den vielen weltweiten Geschäftsbeziehungen. Oder Agravis, die ihr Getreide an der Börse in den USA handeln. Das ist schon spannend. Und das ist bei vielen anderen Firmen ganz ähnlich. Man lernt auch, was es hier für gute Ausbildungsmöglichkeiten gibt und welche guten Jobs hier angeboten werden.
In diesem Jahr gibt es einige besondere Akzente. Welche sind das?
Nora Görke: Ich finde es gut, dass wir in diesem Jahr zum Beispiel die Eröffnung bei den Stephanus-Werkstätten machen. Sie waren bei jeder Veranstaltung dabei, sind interessant, und auch liebenswert. Die Betreuten und Angehörigen freuen sich sehr über Wertschätzung und Anerkennung.
Ein weiteres Highlight ist, dass Daniel Keller, Minister für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz des Landes Brandenburg dabei sein wird. Er ist ja relativ neu im Amt und dadurch bisher noch nicht in der Kleeblattregion gewesen. Darauf bin ich gespannt, freue mich und habe Erwartungen. Ich wünsche mir, dass Herr Keller die Anliegen unserer Unternehmerinnen und Unternehmer aufnimmt – sei es beim Thema Fachkräfte, Infrastruktur oder Genehmigungsprozesse.
Wie sieht diese Tour für politische und wirtschaftliche Gäste konkret aus?
Kai Maslowski: Wir gehen mit Herrn Keller, dem Landrat und den Sponsoren zu den Unternehmen. Dort bekommen wir Führungen, und die Unternehmer haben die Möglichkeit, aktuellen Herausforderungen, Probleme, Anregungen oder Vorschläge direkt anzusprechen – auch an Minister Keller. Es ist ein wirtschaftspolitischer Dialog – direkt vor Ort.
Welche Rolle spielt die Stadt Kyritz bei der Organisation und wer sind Unterstützer?
Nora Görke: Als Vorsitzende der Runde mit den Hauptverwaltungsbeamten läuft der Austausch bei uns zusammen. Kyritz ist Mittelzentrum in dieser Region und wir nehmen unsere Funktion wahr. Wir organisieren, tragen die finanziellen Eigenanteile und leisten das in enger regionaler Zusammenarbeit mit den anderen Kommunen.
Kai Maslowski: Zudem unterstützt uns die REG personell. Die Sparkasse, die IHK und die Wirtschaftsjunioren sind unsere Sponsoren. Auch vielen Dank an dieser Stelle.
Das Stichwort regionale Zusammenarbeit führt zur „Kleeblattregion“. Welche Bedeutung hat die Marke in der Region?
Nora Görke: Wir definieren uns nicht innerhalb der Grenzen des Landkreises Ostprignitz Ruppin. Gumtow gehört zur Kleeblattregion, genau wie Wusterhausen und Neustadt. Dieser regionale Zusammenhalt ist über Jahrzehnte gewachsen – und mit solchen Veranstaltungen wollen wir ihn auch zeigen. Es geht nicht nur um Wirtschaft, sondern auch um Tourismus, wie im Dosse-Seen-Land.
Kai Maslowski: Das zeigt sich auch bei den Unternehmen. Es ist kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander. Das wird bei der Langen Nacht der Wirtschaft besonders deutlich.
Wie ist es um die überregionale Bekanntheit der „Kleeblattregion“ bestellt?
Nora Görke: Kleeblattregion ist ein Begriff, den wir bewusst gewählt haben. Und je öfter wir als Kleeblattregion auftreten – touristisch, wirtschaftlich, politisch –, desto bekannter wird es. Auch in der Landespolitik weiß man zum Beispiel inzwischen, wer dahintersteht.
Ein Thema, das viele ländliche Regionen beschäftigt, ist der Rückzug junger Menschen. Welche Rolle spielt das für Sie?
Nora Görke: Das ist für uns wichtig und wir sehen tatsächlich, dass es Rückkehrer gibt – in jeder Altersgruppe. Junge Familien, die sagen: Hier kann man behütet leben. Also auch für Menschen, die wieder Fuß fassen möchten, ist die Lange Nacht der Wirtschaft ein Angebot.
In diesem Jahr wurde der Termin vor die Sommerferien gelegt. Was steckt dahinter?
Kai Maslowski: Wir wollen die Ausbildungsberufe nochmal stärker bewerben – vor den Sommerferien ist dieses Thema einfach präsenter. Wenn das gut funktioniert, behalten wir es so bei. Wenn nicht, gehen wir wieder auf den alten Zeitpunkt. Das entscheiden auch die Unternehmen mit.
Was wünschen Sie sich für die Veranstaltung?
Nora Görke: Dass die Unternehmen zeigen: Wir sind gut organisiert. Wir freuen uns auf die Gäste. Die Menschen sollen sehen, dass sie willkommen sind. Es soll fundierte Führungen geben – aber auch Spaß machen. Eine gute Mischung ist wichtig.
Kai Maslowski: Ich wünsche mir viele offene Türen, ehrliche Gespräche und neugierige Gäste. Und dass die Unternehmen am Ende sagen: Das hat uns sichtbar gemacht – und Rückenwind gegeben. Denn genau dafür machen wir das: Um zu zeigen, dass sich Wirtschaft in der Region lohnt.
