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Längst mehr als ein Geheimtipp in Neuruppin: Das unbändige Trio Laccasax.

Trio Laccasax zwischen Kerzenstimmung und musikalischen Turbulenzen

25.02.2026
von Volkmar Heuer-Strathmann

Längst mehr als ein Geheimtipp in Neuruppin: Das unbändige Trio Laccasax.

“Spielwütig” nennt Gabriele Lettow die drei Musiker. “Virtuos” wäre wirklich zu wenig. Denn das “Trio Laccasax” hat etwas Wildes an sich, etwas Ungebremstes bei höchster Musikalität. Und man zeigt echte Experimentierfreude. Dazu kommt eine schöne Portion Humor. Kein Wunder, dass die Siechenhauskapelle wieder sehr gut besucht war zum Saisonauftakt 2026, dem dritten Auftritt des Trios in Neuruppin.

Als Instrument des Jahres findet das Akkordeon 2026 natürlich große Aufmerksamkeit. Und Timofey Sattarov bestätigt, was die deutschen Musikräte attestieren: Vielseitigkeit und Wandlungsfähigkeit. Im Zusammenspiel mit Andrey Lakisov am Saxophon und Bernd Gesell am Kontrabass reißt er das Schifferklavier heraus aus dem schunkelnden Wellenspiel der Seeleute hinauf in die Turbulenzen der Lüfte. Das musikalische Motto zum Auftakt: “Gib es weiter!”

Sattarov lacht. Er weiß, dass selbst die schönsten Klänge verhallen. Notenpapier bleibt. Immerhin. Die Weltkammermusiker insistieren darauf, Musik müsse weitergegeben werden – die Kompositionen und die Traditionen, die Spielkultur und die Aufnahmebereitschaft. Mit einem Zwitter aus Akkordeon und Mundharmonika zeigte der Mann aus Sibirien, was er als Bläser vermag. Rauschender Applaus.

Echt experimentierfreudig die drei hochmusikalischen Multikulturisten.

Schön, dass es auch “Candle Light” gab. Gedämpftes Licht, romantische Melodie, anmutiges Spiel – eine Einladung zum Träumen. Textlos wird die Tür zur Traurigkeit genauso geöffnet wie zur seligen Nähe. Irgendwo ein Schluchzen? Ganz anders der Auftritt, als “Walzer 2” erklang und die Musiker zu Entfesselungkünstlern wurden. Wie 2018 beim ersten Trikolon, folgt man einem Feuilleton, das inzwischen selbst vom konzertierten Siechtum erfasst wurde. Die Scherze waren zu der Zeit anscheinend noch schöner: “Gesell ist der einzige Ausländer.” Am Kontrabass ist er ein Meister. Lässt sich anstecken von den beiden ewigen Jugendlichen und spielt auch mal bisschen verrückt.

Was der Weißrusse Andrey Lakisov als Solist inzwischen aus dem toten Bach herausgeholt hat, konnte auch als CD erworben werden. Pausengedränge. Traditionen wollen die Musiker nicht zertrümmern oder entweihen, sondern modifizieren und zugänglich machen. Damit liegen sie in der Siechenhauskapelle genau richtig, das zeigte die Begeisterung der Gäste angesichts dieses musikalischen Jungbrunnens.

Ein kleiner Hinweis der Veranstalterin galt bereits Aequinox, den schon Tradition gewordenen Musiktagen zur Tag- und Nachtgleiche. Am 20. März wird ab 22 Uhr “Da Vinci’s Dream” in der Siechenhauskapelle gegeben. Nicht auszumalen, man stünde ohne Karte vor ausverkauftem Haus und würde Martynas Levickis Spiel am Akkordeon verpassen. Aber noch gibt es ja den Vorverkauf…

Fotos: vhs