
Kolumne Geschichten aus der Tonne: „Kompost – Gärtners Gold oder unsachgemäßer Haufen?“
14.04.2026
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Das Frühjahr und die Gartensaison haben wieder begonnen und auch einer meiner Komposthaufen wird jetzt gesiebt und Bäume, Büsche und die Himbeeren bekommen ihren Anteil, um auch in diesem Jahr eine reiche Ernte bringen zu können.
Ich muss sagen, dass mir die Arbeit mit Kompost so richtig Spaß macht. Ich habe dies von klein auf so erfahren und für mich ist der Kompost auch kein Abfallberg, sondern etwas Wertvolles. Seitdem ich bei der Abfallwirtschaft arbeite, beschäftige ich mich aber auch mit den negativen Auswirkungen, welche eine unsachgemäße Kompostierung mit sich bringt. Und dies hat mich überzeugt, zusätzlich eine Biotonne zu nutzen. In dieser Kolumne möchte ich Sie an meinen Gedankengängen teilhaben lassen.
- Wenn ich ehrlich bin, gibt es in meinem Haushalt auch mal Lebensmittel, welche schlecht werden, die nicht auf den Kompost gehören. Joghurt, alte Käsebrote oder die Nudeln von vorvorgestern sind Produkte, die auf dem offenen Kompost eher die Ratten füttern, als zu guter Erde werden. Also landeten sie dann doch in der Restabfalltonne, wodurch sie dem Nährstoffkreislauf komplett verloren gehen. Die bessere Option hierfür ist die Biotonne.
- Wenn ich ehrlich bin, hat mein Garten mit einer Selbstversorgung mit Gemüse und Obst wenig zu tun. Das meiste wird von mir im Supermarkt gekauft. Wenn ich also alle Obst- und Gemüsereste in meinem Garten kompostiere, aber gar nicht so viel Ernte aus meinem Garten mitnehme, dann häufe ich in meinem Garten Nährstoffe an. Diese werden ausgewaschen und landen im Grundwasser oder direkt im Gewässer und sorgen dort für Probleme. An anderer Stelle, nämlich auf den Feldern, auf welchen mein Obst und Gemüse wächst, fehlen die Nährstoffe, da sie nicht über die Kompostierung zurückgeführt werden. Dies spricht ebenfalls dafür, dass ich den Großteil dieser organischen Abfälle über die Biotonne entsorge.
- Was viele nicht wissen, bei der Kompostierung von organischen Abfällen entstehen Gase – CO2, Methan, Lachgas oder Ammoniak. Und diese Gase wirken sich auf unser Klima aus. Die Kompostierung der Abfälle aus unseren Biotonnen findet mittlerweile überdacht statt, so können die klimaschädlichen Gase aufgefangen werden. Sobald die Vergärungsanlage in Schwanebeck, wohin unsere Bioabfälle transportiert werden, fertiggestellt ist, können diese Gase als Energiequelle genutzt werden. Also, ein weiterer Grund sich um den Inhalt und die Bewirtschaftung des eigenen Komposthaufens Gedanken zu machen.
Sie dürfen mich an dieser Stelle nicht falsch verstehen. Die Eigenkompostierung ist gerade im ländlichen Bereich eine sinnvolle Sache, wenn sie fachgerecht durchgeführt wird und der Erzeugung von Kompost für den Anbau von Lebensmitteln dient. Doch überall dort, wo Lebensmittelreste lieblos auf einen Haufen geworfen werden und vor sich hingammeln, dort ist eine Biotonne notwendig.
Viele scheinen zu Unrecht eine Abneigung gegen diese Tonne zu besitzen. Sie ist freiwillig und daher wählen viele diese Option unbedacht ab. Uns wird am Telefon immer wieder erzählt, man habe gar keine Abfälle für die Tonne und würde alles kompostieren. Doch wie eine Überprüfung in einem anderen ländlichen Landkreis bestätigte, stimmt diese Aussage in den wenigsten Fällen. Der Blick in die Restabfalltonne bestätigte viele organische Abfälle im Restabfall und die Fotos, welche von den angeblichen Komposthaufen gemacht wurden, waren mehr als traurig.
Ich hoffe, ich habe heute meine Arbeit gut gemacht und sie zum Nachdenken über Ihre Kompostierung gebracht. Informieren Sie sich bei mir und meinen Kollegen über die Biotonne im Landkreis OPR oder testen Sie sie einfach mal für ein Jahr.
Autorin und Foto: Anne Neumann, Abfallberaterin des Landkreises OPR



